Politik in Lage

Stellungnahme vom 7. 4. 2014Artikel kommentieren


In diesen Tagen fällt eine wichtige Entscheidung zur Lagenser Innenstadt. Nach der Insolvenz des City-Center-Betreiber hat sich die Stadt das Areal gesichert. Drei Investoren haben Vorschläge zu Neugestaltung vorgelegt. Der Rat am 10. 4. wird entscheiden mit welchem der drei die Planung vorgesetzt werden soll. Die Grüne Meinung in dieser Stellungnahme.
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Grüne Stellungnahme zur Innenstadt/City-Center-Erneuerung

Zu einer lebendigen Innenstadt gehören neben vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten, kulturelle Angebote wie Musikschule und Stadtbücherei, lebendige Märkte mit Schwerpunktthemen wie z. B. Fahrrad, Bildung, Gesundheit, Garten und natürlich auch das privat geleitete Theater im Bürgerhaus. Sie erhöhen die Lebensqualität und sorgen dafür, dass Menschen gerne in Lage wohnen. Mit neu gestalteten Orten und Plätzen kann die Aufenthaltsqualität für Menschen verbessert werden.

Die nun erstmals mögliche Einbeziehung des City–Center-Areals in die Innenstadtplanungen eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Es stehen viel größere Flächen zur Verfügung, dadurch sind wesentlich flexiblere und fantasievollere Konzepte der Innenstadtentwicklung möglich. Über ganz neue Wegebeziehungen mit offenen und hellen Fußgängerbereichen mit Tageslicht können Flächen für niveauvollen Handel und Gastronomie erschlossen werden. Der Eingang zum Rathaus kann an der richtigen Stelle positioniert und einladend und bürgerfreundlich gestaltet werden.

Ziel muss sein, Lage attraktiv für junge und alte Menschen zu machen und damit auch mehr Kaufkraft nach Lage zu holen. Zu den dabei Ausschlag gebenden „weichen Faktoren“ gehört eine Innenstadt, die Ihre Identität behält und keine, deren Fassaden austauschbar werden. Durch die Einbindung des „Karbachhauses“ und des ehemaligen „Hotel Freitag“ (Rathaus 2) kann die für die Innenstadt und die Bürger wichtige historische Marktplatzfassade gesichert werden. Das Erdgeschoss des „Hotel Freitag“ bietet sich für ein Café an, im Obergeschoss könnten Verwaltungsräume bleiben, auch eine Hotelnutzung des Gesamtgebäudes ist denkbar. Das bisherige Herbeireden der Baufälligkeit dieser Gebäude durch die Verwaltungsspitze ist kontraproduktiv und dient nur der Durchsetzung des vom Bürgermeister favorisierten Komplettabrisses.

Die Verwaltung hat sich intern für ein bisher hinter verschlossenen Türen durchgeführtes Investorenverfahren entschieden. Die ersten Konzepte wurden dem Rat in der letzten Woche in nicht-öffentlicher Sitzung vorgestellt. Der Forderung der Grünen, die Pläne schon zu dem Zeitpunkt zu veröffentlichen, sind die anderen Fraktionen leider nicht gefolgt. Das Angebot der Projektentwicklungsgesellschaft Ten Brinke lehnen die Grünen ab, weil dieser Investor den gesamten Gebäudekomplex abreißen und einen Neubau errichten wird. Eine Sanierung bestehender Gebäude oder Gebäudeteile hat er kategorisch ausgeschlossen. Die etwa zweijährige Bauphase würde eine erhebliche Belastung für den bestehenden Einzelhandel bedeuten. Einige Einzelhändler würden die lange Bauphase, verbunden mit Lärm und Dreck mitten im Zentrum der Stadt, wegen ausbleibender Kunden wahrscheinlich nicht überstehen.

Die Grünen favorisieren das Angebot der Operatio GmbH, weil dieser Investor Eine Kernsanierung des City Centers vornehmen möchte. Das bedeutet, dass sich die Bauphase wesentlich verkürzt und weniger Belastungen des Einzelhandels in der Kernstadt zu erwarten sind.

Die Planer der Operatio GmbH haben außerdem zugesagt, dass sie ihre Planungen in Zusammenarbeit mit dem Rat und der Verwaltung entwickeln wollen. Sie haben mehrfach betont, dass sie auf die kleingliedrige Gebäudestruktur der Innenstadt Rücksicht nehmen werden.


In der Ratssitzung am 10.April sollen die Konzepte der Investoren noch einmal in öffentlicher Ratssitzung vorgestellt und dann im nicht-öffentlichen Teil schon die Entscheidung für die weitere Zusammenarbeit mit einem bestimmten Investor gefasst werden. Wie einige Investoren bauen, lässt sich zur Zeit an dem entstehenden REWE-Markt gut beobachten : Hier weicht die Realität an wichtigen Punkten stark von den ursprünglichen Entwürfen ab. Zudem besteht die Gefahr einer zunehmenden Ansiedlung von Billigmärkten; dadurch werden die derzeit bestehenden Geschäfte in Lage nach und nach verdrängt.

Eine wirkliche Beteiligung der Öffentlichkeit ist in diesem ganzen Verfahren nicht vorgesehen und auch nicht erwünscht. Für die noch durchzuführende Änderung der Bebauungspläne sind dann schon die Weichen gestellt und Alternativen nicht mehr möglich. Eine solche Art der Entscheidung von oben ist intransparent und nicht zeitgemäß. Es ist daher wichtig, dass interessierte Bürger ebenso wie die Verbände (insbesondere die Werbegemeinschaft) jetzt schnellstens die Möglichkeit erhalten, ihre Ideen zur Innenstadtentwicklung frühzeitig einzubringen.

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