Rohre für Wärmeleitungen an einer Baustelle

Terramargia, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Rat beschließt Einstieg in die Wärmeversorgung

In einer Absichtserklärung beschließen die Stadt Lage, die Stadtwerke, die S Boden GmbH (Sparkasse) und Energieservice Westfalen Weser ein Nahwärmesystem in Ehrentrup zu errichten. Angeschlossen werden sollen die neuen Häuser im Baugebiet obere Bült, sowie das Schulzentrum, die Grundschule Ehrentrup, der Kindergarten Ehrentrup, die Feuerwehr und der Bauhof.

Hier die Stellungnahme von Frank Drexhage (Fraktionsvorsitzender der Grünen) vor der entscheidenden Abstimmung:

Stellungnahme von Bündnis 90/Die Grünen zur Nahwärmeversorgung in Lage

Die Stadt Lage möchte einige öffentliche Gebäude sowie das Baugebiet „Obere Bült“ an ein Nahwärmenetz anschließen. Dieses Nahwärmenetz soll nach endgültigem Ausbau vorwiegend mit Hackschnitzeln und zur Unterstützung mit Gas betrieben werden.

Der Einstieg in die Nahwärmeversorgung von Teilen der Lagenser Bevölkerung ist Neuland für die Stadt. Der Abschied von der geplanten Gasversorgung im Bereich des Neubaugebietes Obere Bült ist aufgrund des Klimaschutzes und der derzeitigen weltpolitischen Lage alternativlos. Dieses wird von der Fraktion der Grünen auch so gesehen.

Die Beteiligten am Aufbau und Betrieb der Wärmeerzeugungsanlage, die Stadt Lage, die S Boden GmbH, die Stadtwerke Lage GmbH sowie die Energieservice Westfalen Weser GmbH wollen mittels einer Absichtserklärung über das weitere gemeinsame Vorgehen in eine weitere Prüfung und spätere Umsetzung des Projektes einsteigen.

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen befürwortet grundsätzlich jede Abkehr von der Verwendung fossiler Brennstoffe zur Wärmeerzeugung. Insofern ist der durch die vier Beteiligten beabsichtigte zu gehende Weg prinzipiell sicherlich der Richtige.

Für uns Grüne ist wichtig, dass auf dem Weg zur Klimaneutralität der Stadt Lage der Ausstoß von CO2 bei jeder Investition und jeder Maßnahme hinterfragt wird. Zum Einsatz kommt in dem angedachten Projekt die Verbrennung von Hackschnitzeln, also Holz. Gas wird unterstützend eingesetzt. Die dem Rat zur Verfügung gestellten und erläuterten Unterlagen zeigen, dass die durch diese Form der Wärmeerzeugung freigesetzten CO2-Emmissionen inkl. der Versorgung des zusätzlichen Baugebietes immerhin um 35 % unter dem Vergleichswert der derzeit mit Gas versorgten städtischen Immobilien liegen. Diesen Wert haben wir zustimmend zur Kenntnis genommen, wohl wissend, dass auch nachwachsendes Holz bei steigender Nachfrage nur begrenzt zur Verfügung steht und deshalb besonders auf dessen Herkunft geachtet werden muss. Das werden wir bei Gelegenheit auch tun.

Leider wird bei der Erschließung des Baugebietes „Obere Bült“ unserer Auffassung nach eine große Chance in Richtung einer konsequent emissionsarmen Wärmeversorgung vertan. Das Legen von Leitungen, durch die an einer zentralen Stelle erwärmtes Wasser fließt, ist so neu nicht. Selbst wenn seitens der Verantwortlichen betont wird, dass die Verbrennung von Hackschnitzeln später durch andere Energieerzeugungsverfahren ersetzt werden könne, wird diese Form der Wärmeerzeugung das Baugebiet und weitere anzuschließende Objekte schon allein aus betriebswirtschaftlichen Gründen auf Jahrzehnte hinaus prägen. Und man wird auf Jahrzehnte den Weg zur Klimaneutralität nicht konsequent genug verfolgen. Dieses umso mehr, da für das Neubaugebiet ein Anschluss- und Benutzungszwang gelten soll, der das Investieren der BauherrInnen in schadstoffärmere Heizformen ausbremst.

Dieses Ergebnis findet nicht unsere ungeteilte Zustimmung.

Wir hätten uns gewünscht, dass für die „Obere Bült“ ein Vorzeigebaugebiet mit alternativen Wärmelösungen entsteht. Wenn nicht hier, wo denn dann? Im Altbaubestand funktioniert manches nicht oder es werden hohe Investitionen in Kauf genommen. Bis zur Offenlegung eines weiteren Baugebietes werden auch Jahre vergehen.

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen wird nicht in Gänze dem Abschluss des Letter of Intent zustimmen. Der Weg „weg von der Gasversorgung“ ist richtig, die Umsetzung ist im Hinblick auf den immer noch zu hohen CO2-Ausstoß jedoch nur halbherzig. Wir Grüne haben es uns nicht leicht gemacht, zwischen einer Null-CO2-Opition oder einer suboptimalen Brückentechnik, die aber zügiger greift, zu entscheiden.


In der Woche zuvor, hatten die grünen einen Fragenkatalog zum Thema Nahwärmekonzept eingereicht, die Fragen wurden vom Bürgermeister umgehend beantwortet und auch in der ersten Ratssitzung zu diesem Punkt nochmal thematisiert.

Hier der Bericht über den Fragenkatalog im Postillon vom 3. 9. 22:

Hier der Bericht im Postillon über die erste Ratssitzung zum Thema Nahwärmekonzept vom 3. 9. 22:

Postillon-3-9-22-Nahwaermekonzept-1.Ratssitung

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